END-Wicklungshilfe!

by

Entwicklungshilfe ist ein Thema, das ständig diskutiert wird. Häufig ist in diesem Zusammenhang die Rede von Versprechungen, die auf G8-Gipfeln gerne gegeben werden. Die Entwicklungshilfe werde verstärkt, Entwicklungshilfe sei wichtig, sei eine Verpflichtung und so weiter und so fort. Aufseiten der sogenanten „Autonomen“, oder „Globalisierungsgegner“ (nach meinem Dafürhalten Euphemismen) wird häufig die Nichteinhaltung von Quoten für die Entwicklungshilfe kritisiert. Diese Nichteinhaltung ist auch häufig Tatsache, was natürlich kein gutes Licht auf bereits erwähnte Gipfel und deren Teilnehmer wirft. Versprechungen nicht zu halten ist selbstverständlich nicht die feine englische Art, und eigentlich auch inaktzeptabel.

Edle Motive ohne Nutzen
Eigentlich. Denn Entwicklungshilfe hat den guten Willen, Gutmenschentum, Selbstlosigkeit, Aufopferung, die Einstellung als reiche Industrienation etwas abgeben zu müssen, all solche edlen Motive auf sich vereinigt. Wer das Engagement von selbstlosen Entwicklungshelfern oder deren Helfershelfern in Deutschland, die Spendenkonto um Spendenkonto und Hilfskonzert um Hilfskonzert organisieren, infrage stellt, der wird gerne als Chauvinist und Ignorant gebrandmarkt.
Doch stellt sich nicht jedem vernünftigen Menschen die Frage, wie zur Hölle es denn mit Afrika weitergehen soll? Westliche Entwicklungshilfe für Afrika in Billionenhöhe hat bis jetzt offenslichtlich „nicht so ganz“ durchgeschlagen. Diktatoren, Unruhen, Hungersnöte, Bürgerkriege, AIDS: Die Liste der Probleme ist endlos, und es ist kein Ende in Sicht.
Selbst schulisch wird das Thema bis zum Erbrechen behandelt, seit der Mittelstufe hat die überwältigende Mehrheit von Schülern endlose Diskussionen zu „Afrika“ erleiden müssen, mit immer demselben Ergebnis. Aus Korruption, bösem Welthandel und Ausbeutung entstehen Bilder wie „Quasi… äääh… Teufelskreis.“ Frische Ansätze fehlen im Unterricht meist, mit genervten Schülern als Folge, die sich nicht für Afrika interessieren. Zu hoffnungslos erscheint dieser Fall.

Entwicklungshilfe hilf nicht
Ein (etwas älterer) Gastkommentar von Thiele Thielke auf Spiegel Online vertritt eine sehr erfrischende Meinung zu Entwicklungshilfe für Afrika. Einleuchtende Argumente, die zu einer neuen Perspektive führen: Er meint, dass durch die Hungerhilfe die Wirtschaftsentwicklung im Keim erstickt werde. Für Entwicklungshilfe findet er den herrlichen Vergleich „Planwirtschaft ohne Plan“.
Chauvinist, Ignorant, schlimmer als der Papst? Mitnichten. Sehr fundiert vertritt Dambisa Moyo, ihres Zeichens höchst erfolgreiche Ökonomin aus Sambia in einem FAZ-Interview ähnliche Ansichten. Diese decken sich teilweise erstaunlich genau mit Thielkes Aussagen, so z.B.:

Wenn Sie ein Land abhängig machen von Hilfen, dann nehmen sie die Karotte weg und den Prügel: Niemand wird bestraft, wenn er nicht innovativ ist, denn die Hilfen fließen trotzdem. Und niemand wird belohnt, wenn er sich anstrengt. Es gibt in Afrika viele sehr smarte Leute, aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ermutigen sie nicht dazu, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Natürlich müssen Katastrophenhilfen keineswegs eingestellt werden, das stellt Moyo auch klar. Doch die sind, verglichen mit den Hilfsleistungen von Regierungsseite, ohnehin eher ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wo Entwicklungshilfe außerdem noch medienwirksam, aber höchst unnötig vergeudet bzw. falsch etikettiert wird, zeigt ein Gastbeitrag von Karl Addicks (FDP) auf FAZ.net im Rahmen der China-Berichterstattung zu Olympia.

Viele Fakten bindend berichtet Kurt Gerhardt auf SpOn über Entwicklungshilfe für Afrika. Im Diskurs um Afrikas Zukunft werden auch häufig ungerechte Handelsbedingungen erwähnt, zu denen eine Abschottung z.B. des europäischen Marktes von afrikanischen Produkten gehört. Gerhardt hierzu:

Dass Kritik an ihnen [den Handelsbedingungen] berechtigt ist, ist keine Frage. Aber warum gedeiht – unter identischen Bedingungen – der Handel zahlreicher Entwicklungsländer außerhalb Afrikas?

Dies unterstreicht die Notwendigkeit, mit der Entwicklungszusammenarbeit und mit ihr die Vergabe von Entwicklungshilfe grundlegend geändert werden muss.

Die heilenden Kräfte des Marktes
Langfristig, ernsthaft und wirksam kann eine Lösung nur durch wirtschaftliche Entwicklung gefunden werden. Das ist schade für die Popkultur inkl. LiveAid und sonstiger Popstar-Projekte, die in erster Linie das eigene Gewissen beruhigen. Aber realistisch.

roasted_coffee_beans_
Quelle: Wikimedia Commons

Kaffee ist nach Erdöl der Rohstoff des Welthandels. Hier ist Afrika keineswegs schlecht aufgestellt, ganz im Gegenteil. Die Frage ist nur, inwieweit die eigentlich gute Marktposition in echten Gewinn umgewandelt werden kann. Markenrechte für den eigenen Kaffee ermöglichen höheren Profit auf dem Weltmarkt, hieraus entstand die Forderung äthiopischer Kaffeebauern nach denselben. Eine schwere Auseinandersetzung mit Starbucks (Schwarz und Stark – Spiegel vom 4.6.07) entstand, aus der die Kaffeebauern jedoch letztendlich Gewinn schlagen konnten (Starbucks ist der Kaffee teuer, FAZ vom 30.11.07).

Es gibt weitere Ansätze in dieser Richtung: Im Rahmen von Fair Trade sollen den Erzeugern vornehmlich landwirtschaftlicher Produkte faire Preise für ihre Waren gezahlt werden. Diese liegen häufig allerdings nur knapp über dem Weltmarktpreis, welcher im Falle von Kaffee leider häufig ruinös niedrig ist.
Sinnvoller sind dagegen Direct Trade Projekte, wie von zahlreichen Kleinröstern und der Deutschen Röstergilde sowie der Cup of Excellence. Hier wird zusätzlich auf Qualität geachtet, die Erzeuger erhalten starke Anreize gute Qualität zu liefern und sich in entsprechenden Programmen zu behaupten. Die bereits erwähnte Eigentverantwortlichkeit wird gefördert, das schon ausgelutschte Schlagwort der Entwicklungshilfe „Nachhaltigkeit“ kann bei solchen Initiativen mit Recht angewandt werden.

Es wird deutlich: Marktliberalisierung steckt jede Entwicklungshilfe mehrfach in die Tasche.

Genannte Artikel im Überblick:
Wie Entwicklungshelfer den Tod nach Afrika bringen, Gastkommentar von Thilo Thielke auf SpOn

Ökonomin Dambisa Moyo auf Faz.net im Interview

Wie Afrika seine Würde verliert von Kurt Gerhardt auf SpOn

Schwarz und stark, Spiegel vom 4.6.07

Starbucks ist der Kaffee teuer, FAZ vom 30.11.07

Etikettenschwindel Entwicklungshilfe von Karl Addicks auf FAZ.net

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

4 Antworten to “END-Wicklungshilfe!”

  1. chriwi Says:

    Ich stimme dir nur teilweise zu. Entwicklungshilfe ist nicht im allgemeinen schlecht. Die Rahmenbedinungen stimmen nicht. Teiweise fließen die Gelder direkt in Unternehmen aus den Ländern die zahlen. Es wird zwar gespendet, aber nicht zugelassen, dass sich eine vernünftige Basis aufbauen kann. Dies kriegt man hin, indem man Afrika mit subventionierten Gütern überschwemmt. Fast alle Länder die wirtschaftlich weitergekommen sind haben das ohne eine liberalisierten Handel geschafft. Durch Zölle haben sie sich abgeschottet und erst mal aufgebaut und dann nach und nach geöffnet. In Afrika wird der freie Handel als Allheilmittel gepredigt.
    Es wird auch in anderen Bereichen mit 2 Maßen gerechnet. Als in Argentinien eine Wirtschaftskrise war wurde auf Privatisierung gepocht als Lösung. In Amerika ist die Krise ähnlich, da wird der Staat gerufen.

    Ich denke am Ende geht es halt immer um Macht. Wenn Afrika keine Resourcen hätte, sähe es dort besser aus. So will man sich billig den Zugang sichern. Als Ablassbrief für die Moral hat man dann ab und zu Live Aid und die Entwicklungshilfe.

    • Felyx Says:

      Auch hier kann ich wiederum nicht ganz zustimmten 😉
      Ohne Ressourcen hätte Afrika in erster Linie NOCH weniger Chancen auf irgendeine Besserung. Was wäre das Ass im Ärmel, das Potential, das durch Handel ausgepsielt werden könnte?

      Als Allheilmittel wird der freie Handel leider eher selten gepredigt, nicht zu oft. Umgesetzt wird er noch seltener, wie schon beschrieben.

      Bei deinem Verweis auf Argentinien und Amerika verstehe ich den Zusammenhang zu Afrika nicht ganz.

    • eviliven Says:

      Ein großes Problem bei dem Thema Entwicklungshilfe ist, dass zu verallgemeinernd nur von „Afrika“ gesprochen wird, damit wird man der difizilen Situation dort einfach nicht gerecht. Alleine die geographischen Disparitäten erfordern sehr unterschiedliche Lösungsansätze, hinzukommen ethnische, religiöse, politische und klimatische Faktoren die eine bedeutende Rolle spielen.

      Vergessen darfst du hinsichtlich des geforderten Protektionismus auch nicht, dass die Länder die du als Beispiel für geglückte Durchführung selbigen anführst eine gänzlich andere Ausgangslage hatten. Sie wurden nach Aufhebung des Kolonialstatus, anders als viele afrikanische Länder, nicht in einem desolaten Zustand hinterlassen. Sie verfügten nach der Entlassung in die Souvereniät bereits über eine Infrastruktur die als Wirtschaftsmotor diente und im Ansatz stabile politische Verhältnisse. Derartige Strukturen gab und gibt es in vielen afrikanischen Ländern bis heute nicht.

      Im Zeitalter der Globalisierung ist ein autarker Wirtschaftsraum wie er für erfolgreichen Protektionismus von Nöten ist, ohnehin nicht mehr denkbar.

      Um noch ein weiteren Aspekt hineinzubringen: Bei geleisteter Entwicklungshilfe scheint man sich auch nicht einig darüber zu sein welches Ziel erreicht werden soll. Wirtschaftlicher Aufschwung Afrikanischer Länder, oder die Verbesserung der humanitären Bedingungen für die dort lebende Bevölkerung? Beides, so zeigt wunderbar das Beispiel China, lässt sich nicht zeitgleich in gleichem Maße umsetzen.

  2. Was man so “Kaffee” nennt Says:

    […] bedeuten, passt leider nicht mehr in diesen Artikel. Ich verweise auf dieses Relikt “END-Wicklungshilfe!” aus meinen ersten Blogtagen, und hoffe auf baldige Muße, um das Thema würdig zu […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: