Ein Alter Mann, sein Auto und Rassismus

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Von Gran Torino hatte ich einen gut erzählten Kreuzzug eines Rentners gegen die Gangs seines Viertels erwartet. Nach einer kleinen Aufmwärmphase wird dem Zuschauer jedoch klar, dass der Film einen größeren Bogen schlägt. Als einer der letzten Amerikaner in seinem Viertel fühlt sich Walt nicht nur von seinen Nachbarn, sondern auch von seinen Söhnen verlassen. Um das Verhältnis zu den Nachbarn aus Fernost ist es selbstverständlich auch nicht gut bestellt. Von diesen Verhältnissen handelt der Film im wesentlichen.

gran_torino

Ein Ansatz von zu viel Disney
Ohne jetzt in großem Maße die Story vorwegzunehmen: Teilweise drängt sich fast ein Gedanke an die „Montage“-Passage aus Team America auf, die folgenden Text beinhaltet:

Show a lot of things happing at once,
Remind everyone of what’s going on – what’s going on?
And with every shot you show a little improvement
To show it all would take to long
That’s called a montage
Oh we want montage

An diesen Stellen fragt man sich, ob der Film gleich in einen mittelprächtige Klischeestreifen umschlägt. Dieses angedeutet aufkommende Disney-Gefühl wird jedoch stets wieder durch wirklich dramatische Ereignisse eingefangen, sodass der Ernst nicht verloren geht.

Hommage an „Fluchtpunkt San Francisco“?
Sympathien sammelt der Film auch durch die Inszenierung des Ford Gran Torino, der so zwar nicht ganz die Größe des weißen 1970er Dodge Challenger aus Fluchtpunkt San Francisco erreicht, aber doch zu gefallen weiß. Die Verwendung des Nachnamen Kowalski ist eine handfeste Parallele dieses Klassikers und Gran Torino. Inwiefern Produzent, Regisseur, Hauptdarsteller und mit-Songschreiber Clint Eastwood hier eine interpretatorische Verknüpfung der Werke beabsichtigt hat, muss jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden.

Gucken?
„Gran Torino“ enthält neben der eigentlichen Geschichte viel ironischen Witz, transportiert durch die derbe und direkte Sprache Kowalskis und anderer Protagonisten (hier ist besonders John Carroll Lynch hervorzuheben). Insgesamt überzeugt der Film durchaus, auch durch die recht breit angelegte Erzählung. So ist das Verhältnis zwischen Kowalski und seinen „missratenen Gören“ herrlich illustriert und bringt regelrecht Spaß beim Zugucken.
Empfehlung für diesen Film!

Links
Der Titelsong ist schön, gesungen von Clint Eastwood und Jamie Cullum.
Gran Torino in der Internet Movie Database

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2 Antworten to “Ein Alter Mann, sein Auto und Rassismus”

  1. Qu Says:

    Ich war spontan sehr begeistert von Gran Torino. Es ist einer dieser Filme, die eine Gratwanderung zwischen Weinen und Lachen spielend hinbekommen. Das Abdriften in Disneykitsch ist mir überhaupt nicht so vorgekommen: Im Gegenteil, ich habe die Intensität und Authenzität der Schauspieler als fast unerträglich empfunden. Hinterher war ich so mitgenommen, dass ich nicht mal mehr mit auf ein Bier bin. Und über den Film diskutieren wollte ich auch erst mal nicht.
    Gran Torino ist, da stimme ich Dir zu, absolut sehenswert. Ein großartiger Clint Eastwood in einem vollbepackten Bild- und Dramamonument. Ich hab jede Minute davon genossen. Inklusive des Songs zum Abspann.

    • Felyx Says:

      Das Mitgenommene kann ich durchaus unterstreichen, das Ende bewirkt in dieser Hinsicht schon einiges. Den Disneykitsch… nun ja, das sind unterschiedliche Wahrnehmungen. Wirklich negativ durchgeschlagen haben die von mir so empfundenen Ansätze nicht, das muss ich noch einmal unterstreichen 😉

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