„Hinfort mit euch, ihr Killerspieleentwickler!“

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Die Nachricht vom Amoklauf in Winnenden löste bei vielen einen Automatismus aus: Es würde bald sicher einmal mehr würde über Counter Strike und andere „Baller/Killer/Gewaltspiele“ hergezogen werden, war zu vernehmen. Und zwar, bevor auf jeder renommierten Nachrichtenseite ein Interview mit einem Medienpsychologen zu lesen war. Ich war geneigt, dieses Verhalten als vorurteilig und unnötig zu bezeichnen.
Ein naiver Glaube, wie sich schnell zeigte. Counter Strike, GTA, die Klassiker also wurden genannt. Far Cry 2 wurde ganz oben auf die Liste gesetzt, als bekannt wurde, dass Tim K. es vor der Tat spielte.
Ein Verbot „dieser Spiele“ müsse her, Spiele töten aber keine Menschen, die Debatte ist ausgelutscht und fängt gehörig an zu nerven. Genug Argumente sind auf beiden Seiten vorhanden, daher möchte ich nur kurz meine Meinung vertreten: Ego- oder Taktikshooter sind natürlich keine geeignete Therapie für aggressive Menschen. Sie sind ein Zeitvertreib, ebenso wie Actionfilme. Ein mündiger Bürger muss vor diesem Computerspielegenre nicht geschützt werden, er ist frei in seiner Entscheidung, sie zu spielen oder es zu lassen. Nach einem Verbot von „Killerspielen“ würden sie ebensowenig verschwinden wie Skinheads nach einem Verbot der NPD (wobei ich dies bei letzterem durchaus für wünschenswert hielte, aber so einfach ist es nicht). Hier wird der pure Aktionismus klar, der hinter solchen Forderungen steht. Schon langweilig? Richtig, alles bekannte Argumente;-)

Bei der Nennung von Far Cry 2 ist mir etwas eingefallen: Crytek, die Softwareschmiede von Far Cry 1, hat ihren Firmensitz in Frankfurt. Allerspätestens seit Erscheinen des aktuellen Spiels aus diesem Hause, Crysis, ist klar, dass Crytek zur Weltspitze der Spieleentwickler gehört. Die produzierten Spiele sind Kassenschlager, die selbst entwickelte Grafikgerüst CryEngine ist immer auf dem Stand der Technik, kürzlich wurde Version 3 angekündigt. Die Cryengine 2 wurde an einer Hochschule in Berlin für Lehr- und Forschungszwecke lizenziert.

Crysis - Cryteks aktueller Titel

Crysis - Cryteks aktueller Titel

Forschung, Technologie und Bildung sind Standortfaktoren, die jeder Neuntklässler aus dem Erdkundeunterricht kennt. Sie sind wichtig für… ? Richtig, für ein Land, das über keine oder wenig Rohstoffvorkommen verfügt. Nun frage ich mich, warum man nach der Atomenergie und der Gentechnik noch einen Bereich der Entwicklung und Forschung zum Todfeind erklärt und am liebsten aus Deutschland verjagen würde. Dieses Bestreben ist paradox. Es ist ähnlich wie in der Debatte um ein Tempolimit bei 130 Stundenkilometern: Warum verbietet man in Deutschland nicht gleich Autos, die in der Spitze über 200 fahren, um sie auf dem Weltmarkt dann so richtig glaubwürdig verkaufen zu können?

Die deutsche Spieleentwicklerlandschaft würde sich von klein, aber vorhanden zu kaum vorhanden und geächtet entwickeln, und auf lange Sicht wahrscheinlich telweise ins Ausland abwandern. Nun ist der Softwaremarkt internationalisiert, ein deutsches Spiel wie Crysis verkauft sich selbstverständlich auf der ganzen Welt. Doch ein Verbot dieser gesamten Spielegattung stellt eine moralische Ächtung dar, die dem Technologiestandort Deutschland nur schaden kann. Innovationen aus Deutschland? Fehlanzeige, alles verboten. Hierüber macht sich jedoch selbstverständlich niemand Gedanken, der ein Verbot von „Killerspielen“ fordert.

Allein dieser Umstand zeigt, wie fundiert solche Forderungen doch sind.

P.S.: Bei der Suche nach einem dekorativen Banner bin ich auf folgendes gestoßen: Videospiele-Entwickler Crytek droht mit Wegzug aus Deutschland. Der Titel sagt alles

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Eine Antwort to “„Hinfort mit euch, ihr Killerspieleentwickler!“”

  1. Nicht-Entwicklerstandort Deutschland Says:

    […] Aus reinstem Populismus heraus werden unglaublich dumme Entscheidungen gefällt. Dies war früher schon einmal Thema auf Blogts: “Hinfort mit euch, ihr Killerspieleentwickler!” […]

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