„Operation Walküre“ – ja, warum denn nicht?

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Schlagzeilen machte der Film zuallererst mit dem Dreh oder eben-nicht-Dreh im Bendlerblock in Berlin. Es erschienen zig Kommentare über Tom Cruises Sektenzugehörigkeit, dass ein amerikanischer Film der Problematik sowieso nicht gerecht werden könne, was der Film weltweit für Auswirkungen haben würde und so weiter und so fort.

Das „Geschrei“, auch wenn es teilweise sogar positiv gefärbt war, kam mir zur Zeit der Dreharbeiten in Deutschland in jedem Fall größer vor als jetzt, beim Anlauf in den Kinos. Man mag von Tom Cruise halten was man möchte, von Hollywood, von vermeintlichem Kommerzkino und der Kombination all dessen mit geschichtlichen Ereignissen: „Operation Walküre“ – hier ist der Film gemeint – vor Abschluss der Dreharbeiten abzuurteilen war in jedem Fall voreilig.

Kleine Anmerkung: Ich bin kein Historiker, ein Fehler an den Wehrmachtsuniformen wäre mir ebenso wenig aufgefallen wie der „Filmfehler“, dass Hitler nicht mit einer JU-52 geflogen wurde. Doch eine solche Beurteilung ist auch nicht das Ziel. Was der Film mit dem Aufstand vom 20. Juli anstellt, darüber soll hier kurz reflektiert werden.

Ein Eindruck nach dem Genuss des Films: Spannend ist er allemal. Damit ist eine für einen Film, der nunmal zur Unterhaltung gemacht wurde wesentliche Frage bereits geklärt. Auffällig ist, dass der Film bereits mit einem Stauffenberg beginnt, der nicht mehr an den Endsieg glaubt und obendrein in Afrika mit einem Vorgesetzten diskutiert, um „diese Männer lebend hier rauszubringen“. Ein lupenreiner, etwas flach gezeichneter Held. Hier wird die Chance verspielt, ein bisschen früher einzusetzen und den überzeugten Nationalsozialisten Stauffenberg zu zeigen, wie z.B. Spiegel Online ganz richtig bemerkt. Die innere Zerrissenheit, den Konflikt, letztlich die Entwicklung vom gehorsamen Offizier zum Attentäter wird nicht dargestellt in diesem Film. In der ersten Drehbuchfassung war sie noch enthalten. Wenn ein geschichtliches Thema für ein millionen Menschen großes Kinopublikum aufbereitet wird, kann ein solcher Aspekt jedoch wegfallen. Dies ist kein Verbrechen, sondern wahrscheinlich die fehlende halbe Stunde, die dem 20.-Juli-unvertrauten Zuschauer irgendwo auf der Welt den Film trotzdem stringent und hochspannend erscheinen lässt.
Auch die große Ansammlung der „bekanntesten“ Nazis, die dem Film nach nichts besseres zu tun hatten, als auf Hitlers Berghof Tee zu schlürfen, ist übertrieben. Doch diese „Ballung des Bösen“ aus Himmler, Göring, Goebbels und Speer muss nunmal als Feindbild herhalten. Dies geschieht so plump und auffällig, dass eben diese Funktion dem mündigen Zuschauer offensichtlich wird. Keine Meisterleistung liegt an dieser Stelle vor, ebensowenig wie mit der Darstellung Stauffenbergs am Anfang des Films. Doch allzu sauer stoßen diese schwachen Stellen nicht auf.

So bringt der Film also geschichtlichen Stoff in die Schlagzeilen, ins Kino und damit in die öffentliche Diskussion. Dies ist natürlich kein Freibrief, aber es findet eben auch keine Vergewaltigung von Geschichte statt. Somit sind Schlachtrufe gegen Regisseur, Hauptdarsteller und Befürworter durchaus fehl am Platze. Es bleibt ein spannender Thriller, der im Optimalfall den Zuschauer anregt, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen. Was ist daran auszusetzen?

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